Musikindustrie

Die Musikindustrie war als erste betroffen von der illegalen Nutzung von Hyperdistribution. Da Musik nur kleine Datenmengen darstellt, konnte diese ohne Probleme auch mit geringer Bandbreite heruntergeladen werden. Ebenso wie die Filmindustrie sieht sich die Musikindustrie mittlerweile einbrechenden Gewinnen gegenüber: Lag der Umsatz im Jahr 2000 noch bei rund 40 Milliarden Dollar, sind es im Jahr 2008 nur noch unter 30 Milliarden Dollar (Quelle: International Federation of the Phonographic Industry - Jahresbericht 2008).

Anfang der neunziger Jahre verdrängte das digitale Trägermedium CD mehr und mehr die vorherrschenden Tonträger wie Vinyl und Kassette vom Markt. Bereits im Jahr 1991 waren mehr als die Hälfte der verkauften Tonträger gepresste CDs. Für die Musikindustrie sanken die Produktionskosten, wohingegen die Gewinne allein in den USA von 1991 bis hin zum Jahr 2000 von rund 12 auf 17 Milliarden US-Dollar stetig anstiegen.

Mit dem Jahrtausendwechsel änderte sich die Musikbranche jedoch grundlegend. Innerhalb der folgenden vier Jahre fielen die Gewinne wieder auf das Level von 1991 und im Jahr 2006 sogar unter 11 Milliarden. Die Aufnahme-Kosten für Künstler fielen jedoch im gleichen Zuge: Ein einfacher Heimcomputer mit daran angeschlossenen Mikrofonen konnte plötzlich dasselbe leisten, wie noch Jahre zuvor ein teuer zu mietendes Tonstudio. Zudem hielt die MP3 Einzug in die privaten Haushalte. Kopien von CDs konnten nicht nur mit Grenzkosten nahe Null angefertigt, sondern auch hyperdistribuiert werden.

Im Jahr 2006 tauchten Musikverkäufe über das Internet in den Statistiken mit einem Marktanteil von erstmals circa 10 Prozent. Ein grundlegender Einschnitt in der Musikindustrie zeichnete sich ab. Der bisherige Entstehungsprozess, der in der Regel von den Plattenlabels gesteuert wurde, von der Aufnahmesession im Tonstudio über das Herstellen und Distribuieren des Produkts bis hin zur Tour wurde so innerhalb der letzten Jahre verändert. In ihrem Jahresbericht veröffentlichte die IFPI die weiterhin steigenden Zahlen der Internetverkäufe, welche mittlerweile rund 15 Prozent der gesamten Einnahmen ausmachen.

Unterdessen wird versucht, neue Märkt zu erschließen: SonyBMG versucht unter dem Titel "Comes with Music" Musik als Kuppelprodukt mit Handys zu etablieren (Quelle: Der Spiegel, 29/2008), wie es bereits Apple mit dem iPod und bekannten Bands (z.B. U2) geschafft hat. Zudem etabliert sich auf der Seite der Künstler die Praktik, statt einem Plattenlabel nur noch einen Konzertveranstalter zu haben.

Geben Sie Stichwörter ein, die dieser Seite hinzugefügt werden sollen:
Please wait 
Sie suchen ein Stichwort? Beginnen Sie einfach zu schreiben.
  1. Nov 15, 2008

    Martin Storbeck sagt:

    Ars Technica: If music DRM is dead, the RIAA expects its resurrection Spiegel...
  2. Nov 15, 2008

    Martin Storbeck sagt:

    Weiterführend: Radiohead Makes Business Plans the New Punk Rock AudioID?
  3. Nov 16, 2008

    Martin Storbeck sagt:

    Alternative Vermarktungsstrategien http://www.4friendsonly.org/papers/altverms...