Unternehmensziele

In diesem Kapitel sollen unterschiedliche Unternehmensziele als Leitvorstellungen für Unternehmen vorgestellt werden. Anschließend wird direkt auf den Eigenkapitalwert als Unternehmensziel eingegangen. „Wirtschaftliches Handeln ist im Kern eine spezifische Form zielgerichteten Handelns. Daraus folgt, dass das Wirtschaften in den Unternehmen sich zumindest bei ‚rationalem' Vorgehen an klar umrissenen Zielen orientieren sollte." Schierenbeck (1989), S. 50
Unternehmensziele müssen so formuliert sein, dass sie bei der Lösung von Entscheidungsproblemen eine möglichst eindeutige Leitschnurdarstellen. Die Hauptaufgabe erfolgreicher Unternehmensführung ist es, zieloptimale Entscheidungen durchgängig sicherzustellen (unabhängig von Ort, Zeitpunkt und Entscheidungsträger). Je wichtiger das Entscheidungsproblem für das Unternehmen ist, desto wichtiger ist es auch, bestmögliche (und nicht nur „akzeptable") Entscheidungen (unter Berücksichtigung der Transaktionskosten) zu treffen.

Unternehmensziele sind das Ergebnis eines im allgemeinen multipersonalen / multioperationalen Zielentscheidungsprozesses, in dem die unterschiedlichen Ziele der Unternehmensträger und gesellschaftlicher Gruppen für das Unternehmen zu einem Ausgleich gebracht werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die individuellen und kollektiven Interessen der Anspruchsgruppen, die Machtverteilung zwischen den Anspruchsgruppen und die Unternehmenskultur, d.h. wie Interessen zum Ausdruck gebracht werden und wie (Entscheidungs-)Macht exekutiert werden.

Ausgangsgröße für die Beschreibung von Zielentscheidungsprozessen sind dominierende Interessenlagen, Motive und Bedürfnisse der Unternehmensträger (Unternehmensleiter, Anteilseigner und Arbeitnehmer). Die Verwirklichung dieser Interessen wird begrenzt durch konfligierende Interessen der Unternehmensträger, das volkswirtschaftliche Umfeld sowie die Interessen von Kunden, Konkurrenten, Lieferanten und des Staats.

Der Eigenkapitalwert als Unternehmensziel

Da die Einzahlungen, die das Unternehmen erhält, im allgemeinen ungewiss sind, können nicht alle Auszahlungen des Unternehmens vertraglich fixiert (kontraktbestimmt) sein. Im marktwirtschaftlichen Unternehmen haben i.d.R. nur die Eigenkapitalgeber Anwartschaft auf Residualzahlungen, alle übrigen Gruppen auf kontraktbestimmte Zahlungen.

Ohne Entscheidungskompetenz kann ein Residualzahlungsanspruch leicht ausgehöhlt und so wertlos gemacht werden. Daraus folgt ein Übergewicht der Eigenkapitalgeber aufgrund des Zusammenhangs zwischen Entscheidungskompetenz, Residualzahlungen und Veränderung des Reinvermögens.

Cash Flow

  • Laufende Ein-/Auszahlungen aus ...
    • dem Leistungsprozess
    • Finanzanlagen
  • Investitionsauszahlungen / (Einzahlungen aus Desinvestitionen)
    • im Leistungsprozess
    • bei Finanzanlagen
  • Ein-/Auszahlungen der / an die Eigenkapitalgeber
    • Kapitaleinlagen
    • Kapitalrückzahlungen
    • Gewinnausschüttungen
  • Ein-/Auszahlungen der / an die Kreditgeber
    • Kreditaufnahme
    • Kredittilgung
    • Fremdkapitalzinsen
  • Ein-/Auszahlungen des / an den Staat(es)
    • Subventionen
    • Steuern

• (Perioden-)Cash-Flow Zt = Laufende Einzahlungen - Laufende Auszahlungen - (Fremdkapital-)zinsen - (Steuern - Subventionen) • ... ist der im Unternehmen erwirtschaftete Einzahlungsüberschuss, der - für Gewinnausschüttungen an die Eigenkapitalgeber oder - zur Deckung von Investitionsauszahlungen (und damit zu höheren erwarteten Cash-Flows in der Zukunft, also zur Steigerung des Eigenkapitalwertes) verwendet werden kann • „... im Unternehmen ...", d.h. vor Berücksichtigung des Saldos aus (Kapitaleinlagen - Kapitalrückzahlungen) + (Kreditaufnahme - Kredittilgung), also vor Berücksichtigung der Außenfinanzierung

Eigenkapitalwert

Wie viel ist ein rationaler Investor mit alternativen Finanzanlagemöglichkeiten zu einem Zinssatz von i>0 (nach Steuern) bereit, für ein Unternehmen zu bezahlen? • Annahme: Alle künftigen laufenden Ein- und Auszahlungen, Zinsen, Steuern und Subventionen der Unternehmung von t=1, ..., T seien zum Entscheidungszeitpunkt t=0 im Sinne perfekter Voraussicht bekannt

Dann ist die sichere Zahlungsreihe der künftigen Cash- Flows: Z1, Z2, Z3, Z4, ..., ZT-1, ZT • Würde der Investor einen Preis P = Z1 + Z2 + Z3 + Z4 + ... + ZT-1 + ZT bezahlen, hätte er nach T Perioden gerade wieder seinen Einstandspreis erhalten.

Würde der Investor stattdessen den Betrag P zum Zinssatz i anlegen, hätte er in t=T den Wert (1+i)T erzielt, also das (1+i)T-fache. • Um sicherzustellen, dass er für die Cash-Flow-Zahlungsreihe des Unternehmens nicht mehr bezahlt, als er durch die Finanzanlage am Kapitalmarkt erzielt, muss er folglich die künftigen Cash-Flows diskontieren. Bei einem Preis

!!FORMEL!!

erzielt der Investor aus dem Kauf des Unternehmens dasselbe Endvermögen wie durch eine Finanzanlage zum Zinssatz i am Kapitalmarkt.

Der Eigenkapitalwert wird beeinflusst durch jede Änderung im Umfeld des Unternehmens, die Einfluss auf laufende Ein- und Auszahlungen, Zinsen, Steuern und Subventionen des Unternehmens hat, insbesondere durch jede Entscheidung des Unternehmens mit Cash-Flow-Implikationen (und dies ist bei fast allen Entscheidungen der Fall).

Gilt die o.g. Annahme nicht, z.B. weil künftige Einzahlungen unsicher sind, muss und kann diese Unsicherheit berücksichtigt werden (Investitionsplanung unter Unsicherheit, hier nicht behandelt) Jede Einzelinvestition mit einem Kapitalwert C0>0 erhöht den Eigenkapitalwert des Unternehmens und ist deshalb vorteilhaft (zur Kapitalwertmethode Trost (2005), S. 146ff.)

Konfligierende Interesse

Aus der Verwendung des Unternehmensziels „Maximierung des Eigenkapitalwertes" folgt nicht, dass keine Interessen anderer Unternehmensträger (insbesondere der Arbeitnehmer), von Kunden oder Lieferanten zum Tragen kommen, dass keine weiteren (z.B. nicht-monetäre, publizistische) Interessen der Eigenkapitalgeber zum Tragen kommen und ebenso nicht, dass Interessen des Umfeldes zwingend vernachlässigt würden.

Um diese Interessen als hinreichend scharfe Nebenbedingungen zur Geltung zu bringen, ist es i.d.R. wesentlich wirksamer, klare (sofern sinnvoll: monetäre) Spielregeln / Ansprüche / Folgen zu formulieren (als nur solche mit Appellcharakter). Aufgrund der Langfristigkeit des Eigenkapitalwertes ist sichergestellt, dass auch erkennbare - mit Zahlungen verbundene - Zukunftsinteressen Berücksichtigung finden (im Gegensatz zur traditionellen kurzfristigen Gewinnmaximierung).

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